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Experten beantworten Patientenfragen: HER2-positiver Brustkrebs

Dr. med. Brigitte Rack beantwortet Fragen zur zielgerichteten Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab

Bei etwa einem Viertel aller Frauen mit Brustkrebs wird während der feingeweblichen Untersuchung der Krebszellen eine erhöhte Konzentration des Proteins HER2 festgestellt („HER2-positiver Brustkrebs“). Diese Frauen leiden an einer aggressiveren Form der Erkrankung. Die Therapie mit dem Antikörper Trastuzumab kann heute vielen dieser Patientinnen helfen.

Dr. med. Brigitte Rack vom Klinikum der Universität München beantwortet einige der in letzter Zeit beim Portal der DKG eingegangenen Fragen zu diesem Thema.

Was bedeutet HER2-Positivität?
HER2 – auch als ErbB2 oder HER2/neu bezeichnet – ist ein Eiweißmolekül an der Oberfläche von Zellen (Rezeptor). Über diesen Rezeptor werden Signale von der
Zelloberfläche wie über eine Art Antenne an das Zellinnere und den Zellkern weitergeleitet. Wenn auf einer Zelle übermäßig viele HER2-Rezeptoren vorhanden sind, können auch viele Wachstumssignale zum Zellinneren ausgesendet werden, so dass es zu einem beschleunigten Tumorwachstum und einem aggressiveren Tumorverhalten kommt.

Wie kann man den HER2-positiven Brustkrebs diagnostizieren?
Im Rahmen einer Biopsie oder der Operation wird eine Gewebeprobe entnommen. Diese Gewebeprobe wird von einem Pathologen untersucht um festzustellen, ob der Tumor übermäßig viele HER2-Rezeptoren auf seiner Oberfläche besitzt, also HER2-positiv ist.

Was bedeutet die Diagnose HER2-positiv für die Therapie der Patientin?
Bei Brustkrebspatientinnen mit einem HER2-positiven Tumor sollte nach Möglichkeit der Antikörper Trastuzumab in das Therapiekonzept einbezogen werden.

Können Sie die Empfehlung, alle Brusttumore frühzeitig auf das HER2-Protein zu testen und bei positivem Ergebnis Patientinnen mit dem Antikörper Trastuzumab zu behandeln, bestätigen?
Alle Patientinnen sollten auf das HER2 Protein getestet werden. Ist der Tumor HER2-positiv, erhält die Patientin in der Regel nach der Operation eine Chemotherapie und Trastuzumab.
Bei HER2-positiven Patientinnen, bei denen der Brustkrebs weiter fortgeschritten ist oder bereits Metastasen vorhanden sind, wird Trastuzumab entweder in Kombination mit einer Chemotherapie oder endokrinen Therapie (Aromatase-Hemmer) oder allein, d. h. als Monotherapie eingesetzt.

In welchen Erkrankungsstadien können Brustkrebs-Patientinnen mit Trastuzumab behandelt werden? Wirkt Trastuzumab auch bei Patientinnen, bei denen die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist?
Die derzeit zugelassene Standardtherapie in der adjuvanten Situation ist ein Jahr Trastuzumab, meist begonnen im Anschluss an die Chemotherapie. Bei manchen Chemotherapie-Regimen kann man aber auch schon parallel zur Chemotherapie anfangen. Während der Therapiedauer wird der Wirkstoff im Drei-Wochen-Rhythmus als Infusion verabreicht.
In der metastasierten Situation sollte jede HER2-positive Patientin, bei der die Voraussetzungen für die Therapie mit Trastuzumab gegeben sind und bei der keine Gründe gegen die Durchführung einer Therapie vorliegen, mit dem Antikörper behandelt werden. Die Dauer der Therapie in der metastasierten Situation wird derzeit diskutiert. Man sollte jedenfalls so früh wie möglich mit der Therapie beginnen, um die beste Wirksamkeit zu erzielen und die Behandlung auf jeden Fall bis zum Fortschreiten der Krankheit weiterführen.


Was macht die Antikörpertherapie mit Trastuzumab so einzigartig?
Das Tolle an dem Wirkmechanismus ist, dass es ein zielgerichteter Therapieansatz ist. Die Chemotherapien richten sich ja gegen alle sich schnell teilenden Zellen und gehen dadurch mit starken Nebenwirkungen einher. Weil Trastuzumab ausschließlich Zellen mit einer HER2-Überexpression angreift, hat es einerseits eine sehr gute Effektivität gegen diese Zellen und andererseits geringe Nebenwirkungen. Eine möglicherweise auftretende Nebenwirkung, die man beachten und kontrollieren muss, ist der herzschädigende Effekt, der sich aber durch regelmäßigen Kontrollen und Untersuchungen gut kontrollieren lässt.

Wie aktiviert Trastuzumab das Immunsystem?
Indem Trastuzumab an den Rezeptor bindet, kann das Signal zur Zellteilung nicht weitergeleitet werden. Trastuzumab führt darüber hinaus auch dazu, dass die Tumorzelle „markiert“ wird und dadurch vom körpereigenen Immunsystem als „fremd“ erkannt und zerstört wird.

(pp)




Diese Informationen werden Ihnen ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der

     Roche Pharma AG  



Aktualisiert am: 22.07.11 - 13:36



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