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Prostatakrebs - Besonderheiten

Operationsfolge: Harninkontinenz

Eine seltene Operationsfolge, die aber für das tägliche Leben eine große Bedeutung haben kann, ist die Harninkontinenz, d.h. die Unfähigkeit, den Urin zu halten. Meist handelt es sich nur um eine vorübergehende Störung, in selteneren Fällen kann die Inkontinenz jedoch auch dauerhaft bestehen bleiben. Ursache ist das Versagen des Verschlussmechanismus am Blasenausgang.

Die Inkontinenz äußert sich normalerweise dadurch, dass geringe Urinmengen unkontrolliert austreten, vor allem unter körperlicher Belastung, beim Husten, Niesen oder Pressen, also wenn der Druck im Bauchraum erhöht ist. Man spricht auch von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz.

In der Regel ist es möglich, diese Störung durch eine konsequente Beckenbodengymnastik nach der Operation zu beheben. Unter Anleitung eines Krankengymnasten können sie die Übungen erlernen und später selbständig ausführen. Der unkontrolliert abgehende Urin kann bis zur Wiedererlangung der Kontinenz in saugfähigen Einlagen aufgefangen werden.

Sollte wider Erwarten die Inkontinenz fortbestehen, können verschiedene operative Verfahren Besserung bringen. Die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels ist eine Möglichkeit, es gibt jedoch auch weitere Verfahren, die Abhilfe schaffen können. Mit dem Arzt können Sie die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten besprechen.

Aber selbst wenn alle Maßnahmen fehlschlagen und die Harninkontinenz fortbesteht, ist es durch geeignete Hilfsmittel möglich, ein ungestörtes gesellschaftliches Leben zu führen. Die gewohnten Aktivitäten können in den meisten Fällen unbeeinträchtigt weiter ausgeübt werden.

Bei Fragen zum Thema Inkontinenz kann auch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. weiterhelfen.

Sexualität

Grund für die Potenzstörung nach der Operation ist entweder die Entfernung der Erektionsnerven (dauerhafte Impotenz), oder eine Zug- bzw. Druckschädigung dieser Nerven bei der potenzerhaltenden Technik (meist zeitlich begrenzte Impotenz) . Die Produktion der männlichen Geschlechtshormone bleibt hingegen durch die Operation unbeeinflusst. Das bedeutet, dass Ihre Empfindungen, Ihre Lust und die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, erhalten bleiben.

Die eingeschränkte Sexualität kann eine große Belastung sein. Sehr hilfreich ist ein offener und verständnisvoller Umgang mit dieser Situation in der Partnerschaft. Das offene Gespräch und die Unterstützung durch die Partnerin können wesentlich dazu beitragen, dass trotz der funktionellen Einschränkung eine liebevolle und auch sexuell befriedigende Partnerschaft möglich ist.

Wenn trotz Erhalt der Erektionsnerven eine Impotenz vorliegt, kann dies auch psychische Ursachen haben. Beeinträchtigungen des Sexuallebens sind nach einer Tumoroperation keine Seltenheit, besonders dann, wenn nach der Operation eine Inkontinenz besteht. Auch hier gilt: Probleme und Sorgen sollten mit der Partnerin, dem Arzt und ggf. einem Psychotherapeuten besprochen werden.

Weder bei psychisch noch bei organisch bedingter Impotenz müssen Krebspatienten jedoch auf Sexualität verzichten. Besteht der Wunsch nach Wiederaufnahme des Geschlechtsverkehrs, kann die Gliedversteifung mit Hilfe medikamentöser oder technischer Methoden herbeigeführt werden.

 
(red)



Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Urologie (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, http://www.urologenportal.de/index.php?id=113&frame=awmf, Stand August 2009
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Fachliche Beratung
Prof. Dr. Kurt Miller
Klinik für Urologie,
Charité - Universitätsmedizin Berlin

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Aktualisiert am: 04.05.11 - 12:30



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